Aktien Europa Schluss: Anleger bleiben vorsichtig
PARIS/LONDON/ZÜRICH (awp international) - An Europas Börsen haben sich die Anleger nach den jüngsten Gewinnmitnahmen mit neuen Aktienengagements zurückgehalten. Die wichtigsten Indizes beendeten den Handel am Montag zwar mit unterschiedlichen Vorzeichen, hielten sich zugleich aber dicht an ihren Schlussständen vom Freitag.
Der Konflikt im Nahen Osten bleibt Thema. Dieser hat nach einer erneuten militärischen Eskalation wieder an Brisanz gewonnen und treibt entsprechend die stark gesunkenen Ölpreise an. Der Iran lässt die USA dabei über einen weiteren Verhandlungstermin im Unklaren. Ausserdem rückt das Notenbanker-Treffen in Portugal in den Blick, auf dem der neue Fed-Präsident Kevin Warsh seinen Einstand auf der internationalen Bühne geben wird.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 beendete den Tag 0,16 Prozent höher auf 6.231,63 Punkten. Der schweizerische SMI schloss mit plus 0,36 Prozent auf 14.223,90 Zähler auf Tageshoch und nähert sich damit wieder seinem am vergangenen Donnerstag erreichten Rekordhoch. Für den britischen FTSE 100 ging es um 0,23 Prozent auf 10.484,22 Punkte bergab.
"Der Iran-Konflikt ist nicht mehr Hauptthema", zumal sich der Seeverkehr durch die Strasse von Hormus schrittweise normalisiere, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. In das Zentrum der Aufmerksamkeit rücke vielmehr das Zentralbanktreffen im portugiesischen Sintra. Von Interesse sei, ob Warsh "tatsächlich eine so konservative Geldpolitik verfolgen möchte, wie es sich bei seiner ersten geldpolitischen Sitzung angedeutet hatte".
Im marktbreiten Stoxx Europe 600 führte die Technologiebranche mit Aktien wie ASML oder STMicro die Gewinnerliste an. Vor allem der Rückenwind durch die US-Technologiebörse im Verlauf des Nachmittags gab Auftrieb. Die Nasdaq erholte sich zuletzt um rund anderthalb Prozent von ihren Verlusten aus der vergangenen Woche.
Unter den Einzelwerten zählte im EuroStoxx Prosus mit einem Kursplus von 2,4 Prozent zu den gefragtesten Titeln. Der Internet-Beteiligungsholding gelang es, im vergangenen Geschäftsjahr dank eines guten Laufs in allen drei E-Commerce-Bereichen des Konzerns, das bereinigte operative Ergebnis mehr als zu verdoppeln. Zudem steuert der chinesische Internetkonzern Tencent als unverändert wichtigste Beteiligung des Konzerns weiter Milliardengewinne zum Konzernergebnis bei.
EssilorLuxottica büssten dagegen nach Analystenkommentaren als einer der schwächsten Aktien 3,1 Prozent ein. Richard Felton von Goldman Sachs kappte wegen eines unsichereren Konsumumfeldes seine Schätzung für das Jahresumsatzwachstum aus eigener Kraft und senkte sein Kursziel für die Aktie von 260 auf 230 Euro. HSBC-Analystin Anne-Laure Bismuth rechnet zur Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal mit Margendruck und senkte ihr Kursziel von 340 auf 200 Euro. Beide bewerten das Papier des Brillenherstellers aber nach wie vor positiv mit "Buy".
Nach kräftigen Gewinnen am Freitag verteuerte sich die Exail-Aktie um weitere 3,7 Prozent auf nun 121 Euro und profitierte unverändert von einer potenziellen Übernahme. Der Triebwerkhersteller Safran befindet sich in exklusiven Verhandlungen über einen möglichen Kauf des Herstellers von Minen zerstörenden Seedrohnen. Im Gespräch ist ein Kaufpreis von 128,50 Euro je Aktie.
In London standen unter anderem die Aktien von British American Tobacco (BAT) und der BT Group im Blick. Letzere stieg um 0,6 Prozent. Der Telekom- und IT-Dienstleister passte seine Finanzprognose an, da er mit dem US-Telekomriesen Verizon eine Vereinbarung zur Zusammenlegung ihrer internationalen Geschäftsbereiche in einem 50/50-Joint Venture getroffen hat.
Laut der Deutschen Bank kann das Gemeinschaftsunternehmen für BT "einen gewissen Mehrwert über die anfängliche Ausgleichszahlung hinaus schaffen". Zudem sei es positiv, dass etwas unternommen wurde, um ein verlustträchtiges Geschäft zu stoppen. Dennoch bleibt die BT-Aktie den Experten zufolge im Vergleich zu Wettbewerbern aufgrund des schwierigen Wettbewerbsumfelds auf dem Heimatmarkt aber unattraktiv.
Für BAT ging es um 1,0 Prozent bergab. So will der Zigarettenhersteller im Zuge eines Unternehmensumbaus Arbeitsplätze abbauen und damit seine Kosten deutlich senken.
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