Experte sieht Zukunft für deutsche Warenhauskette Galeria
DÜSSELDORF/HEILBRONN (awp international) - Wie geht es weiter mit der Warenhauskette Galeria nach der jüngsten Insolvenz? "Ein vollständiges Aus ist möglich, aber keineswegs zwangsläufig", sagte der Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er halte eine Fortführung mit deutlich weniger Standorten gerade für die Mitarbeiter für eine mögliche Lösung, "nicht jedoch eine dauerhafte Rettung des gesamten bisherigen Filialnetzes". Aktuell hat Galeria 83 Filialen. Das Düsseldorfer Unternehmen hat rund 12.000 Beschäftigte. Am Freitag hatte es erneut Insolvenz angemeldet - zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren.
Voraussetzung für eine Fortführung sind laut Kortum "wirtschaftlich tragfähige Häuser, ein klares Sortimentsprofil und ausreichend Eigenkapital für Modernisierung und Umbauten". Nötig sei dafür "endlich" ein Eigentümer, der nicht nur kurzfristige finanzielle Interessen habe, sondern langfristig an das Geschäftsmodell Kaufhaus glaube. "Eine weitere Sanierung, die hauptsächlich wieder nur auf Forderungsverzicht und Kostensenkung setzt, dürfte kaum ausreichen." Selbst wenn die heutige Unternehmensstruktur scheitere, könnten einzelne attraktive Warenhäuser in guten Lagen eventuell unter anderen Eigentümern weiterbestehen.
Experte bemängelt schwaches Sortimentsprofil
Galeria ist nach Einschätzung von Kortum in eine erneute Insolvenz geraten, weil die bisherigen Sanierungen die grundlegenden Probleme des Geschäftsmodells nicht gelöst haben. Als solche sieht er zu grosse und teilweise wenig attraktive Verkaufsflächen, hohe laufende Kosten und ein zu schwaches Profil im Sortiment gegenüber Onlinehandel, Fachgeschäften und Discountern. "Schuldenschnitte, Insolvenzgeld und neue Kredite verschaffen kurzfristig Entlastung, ersetzen aber keine Investitionen in ein überzeugendes Angebot", so Kortum. Man könne Schulden streichen und Verträge kündigen, "aber keine Kundennachfrage herbeisanieren".
Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hält eine fehlende Wettbewerbsfähigkeit im Mode-Sortiment für die Hauptursache für die erneute Insolvenz. Diese mache über die Hälfte des Umsatzes aus. Die Insolvenzen von Galeria uns dessen Vorgängerfirmen Kaufhof und Karstadt verglich der Experte mit einem Gummiball, der eine Treppe hinunterhüpft. "Zwar hüpft er bei jedem Aufschlag noch einmal in die Höhe, landet dann aber doch tiefer als beim vorherigen Aufschlag." Die Aufschläge seien die Insolvenzen, die jedes Mal eine kurzfristige Verbesserung und Hoffnung brächten, "andererseits aber den Blick auf die langfristige Entwicklung verstellen."
Hat Galeria noch eine Zukunft? Wormser Experte skeptisch
Jörg Funder von der Hochschule Worms hält unter anderem eine schwache Unternehmensführung, Schwächen des Geschäftsmodells sowie anhaltende Konsumschwäche für die Hauptgründe der erneuten Insolvenz. "Im Prinzip also eigentlich nichts Neues", sagte er der dpa.
Entsprechend skeptisch ist er, was die Zukunft von Galeria angeht: Bereits 2008 habe er geschätzt, dass in Deutschland maximal 55 zentral geführte Warenhausfilialen wirtschaftlich betrieben werden könnten. "Nun sind wir fast 20 Jahre später." Den jüngsten Eigentümern warf er ein mangelndes Interesse am operativen Geschäft vor. Es habe ein wirklicher Plan und eine Zukunftsperspektive gefehlt. Die Aussichten der Kette beschrieb er mit den Worten: "Ich glaube, es wird Zeit von der Palliativstation ins Ruhebett überzusiedeln.
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