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Aufsichtsbehörden, Regulierungen   07.10.2026 14:54:30

Bund untersagt Verkauf von Logistikfirma an China-Reederei

BERLIN/HAMBURG (awp international) - Nach dem umstrittenen Einstieg der chinesischen Staatsreederei Cosco an einem Terminal im Hamburger Hafen hat die Bundesregierung eine weitere Beteiligung in Deutschland untersagt. Die Grossreederei darf das Hamburger Logistikunternehmen Zippel-Gruppe nicht übernehmen, wie die Bundesregierung am Mittwochmorgen entschieden hat.

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit: "Grund für die Untersagung sind Sicherheitsbedenken." Nach Einschätzung der Bundesregierung hätte der Verkauf Zippels an Cosco Abhängigkeiten vertieft und die Stabilität der Lieferketten Deutschlands und der Europäischen Union gefährdet.

Deutschland heisse als grösste Volkswirtschaft Europas ausländische Investitionen zwar willkommen, hiess es vom Ministerium. "Gleichzeitig kann es Investitionen geben, die die Sicherheit des Landes gefährden." Die Behörde kündigte an, einen sogenannten Untersagungsbescheid zu erlassen.

Transporte wichtig für Ostdeutschland

Zippel transportiert unter anderem Container und sogenanntes Stückgut - das sind beispielsweise Paletten, Maschinen und Möbel - von den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven zu Industrie- und Handelszentren in Ostdeutschland und ins europäische Ausland. Hamburg und Bremerhaven sind gemessen am Umschlag Deutschlands wichtigste Seehäfen. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben 350 Mitarbeiter.

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" soll Zippel an Terminals in Berlin, Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Elsterwerda (Brandenburg) einen Umschlagsanteil zwischen 35 und 90 Prozent haben.

Geschäftsführer bedauert Entscheidung

Cosco beabsichtigte, 80 Prozent der Anteile des Logistikers zu kaufen. Zippel-Geschäftsführer Axel Plass wollte nach eigener Aussage 20 Prozent der Anteile behalten und Geschäftsführer des Unternehmens bleiben.

Plass sagte, er nehme den Beschluss der Regierung zur Kenntnis. "Wir hätten uns ein anderes Ergebnis gewünscht und halten unsere unternehmerische Entscheidung nach wie vor für richtig." Das Tagesgeschäft laufe unverändert weiter. Für die Kunden und die Beschäftigten ändere sich nichts.

Terminalbeteiligung in Hamburg

Von der chinesischen Reederei Cosco lag zunächst keine Stellungnahme vor. Cosco gehört zu den grössten Linienreedereien der Welt und läuft regelmässig deutsche Häfen an. Gemessen an dem Transportvolumen liegt sie weltweit auf Rang vier - vor der grössten deutschen Reederei Hapag-Lloyd .

Cosco ist bereits mit 24,99 Prozent am Hamburger Containerterminal Tollerort beteiligt. In der Bundesregierung entbrannte 2022 ein heftiger Streit über die Frage, ob eine chinesische Beteiligung erlaubt werden soll. Ursprünglich wollte Cosco 35 Prozent der Anteile übernehmen.

Das Kabinett beschloss letztlich, einen Anteilserwerb unter 25 Prozent zuzulassen. Der Vertrag wurde im Juni 2023 unterzeichnet.

Cosco ist in mehreren europäischen Ländern wie Griechenland, Spanien und Belgien an Terminals beteiligt. Seit Jahren versorgt China über den Hafen Piräus weite Teile Osteuropas mit eigenen Produkten. Piräus dient China als Hebel für Pekings wachsenden Einfluss in Europa - zum Unmut der USA.

Kartellamt erlaubt Übernahme

Dass Zippel an Cosco verkauft werden sollte, war Ende des vergangenen Jahres bekanntgeworden. Grund für den angedachten Verkauf war, dass sich Plass' Geschäftspartner aus dem Unternehmen zurückziehen wollte, wie damals das "Hamburger Abendblatt" berichtete. Plass bestätigte das.

Im Februar wurde bekannt, dass das Bundeskartellamt den Verkauf gutheisst - wobei sicherheitspolitische Aspekte nicht geprüft wurden. "Aus wettbewerblicher Sicht bestehen gegen das Vorhaben keine Bedenken", sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt.

Das Kartellamt begründete die Entscheidung damit, dass Zippel nur einen Bruchteil der Ladung in Hamburg und Bremerhaven bewege.

Verfassungsschutz mit Bedenken

Ende April wurden Bedenken des Bundesamts für Verfassungsschutz gegen die Übernahme publik. Wie aus Sicherheitskreisen verlautet, brachte der Inlandsnachrichtendienst seine Einwände auch schriftlich vor. Die Verfassungsschützer hätten Sorge wegen der "kumulativen Erwerbsvorhaben" des chinesischen Staatskonzerns in Deutschland und der Europäischen Union.

Ministerium untersucht Verkauf

Das Bundeswirtschaftsministerium unterzog den Verkauf einer Überprüfung. Die Regierung kann in Einzelfällen den Verkauf deutscher Unternehmen untersuchen. Massstab sei, ob der Erwerb voraussichtlich die öffentliche Ordnung oder Sicherheit gefährde. Die Bundesregierung prüft den Angaben nach jährlich im Durchschnitt circa 300 Fälle. In acht Fällen sei ein Kauf untersagt worden.

Plass verteidigte während der Prüfung des Ministeriums den angedachten Verkauf. "Das Geschäft bleibt in Hamburg, alle Arbeitsplätze werden erhalten", sagte er dem Fachmedium "Deutsche Verkehrs-Zeitung". Es gehe darum, Ladung zu gewinnen und zu halten.


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