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Personalien, Management, Verwaltungsrat   19.10.2026 12:21:14

Lindt & Sprüngli zieht nach Absatzkrise die Reissleine

Kilchberg (awp) - Nach zwei Umsatzwarnungen innerhalb eines Jahres zieht Lindt & Sprüngli die Reissleine. Der Schokoladenhersteller wirft Konzernchef Adalbert Lechner raus und wechselt auch die Führung in Deutschland aus. Nach dem überraschenden Schritt rückt Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner selbst in den Fokus.

Der Verwaltungsrat hält eine neue operative Führung für nötig, um weltweit zu dauerhaft starkem Wachstum zurückzukehren, wie der Konzern am Montag mitteilte. Die Verantwortung für den Entscheid trügen der Verwaltungsrat und dessen Präsident Ernst Tanner, sagte der neue Interimschef und Verwaltungsrats-Vizepräsident Dieter Weisskopf in einer Telefonkonferenz.

Massive Absatzprobleme

Hinter dem Führungswechsel stehen massive Absatzprobleme. Wegen der stark gestiegenen Kakaopreise erhöhte Lindt seine Verkaufspreise kräftig, allein im ersten Halbjahr 2026 um durchschnittlich 11,8 Prozent. Gleichzeitig gingen die verkauften Mengen im ersten Halbjahr markant um 7,5 Prozent zurück. Nach Preiserhöhungen von fast 20 Prozent schon im letzten Jahr verdarb dies den Konsumenten endgültig die Lust auf die teure Lindt-Schoggi.

Besonders in Deutschland, der Schweiz und Grossbritannien reagierten die Konsumenten empfindlicher als erwartet auf die höheren Preise, wie Lechner im Sommer einräumen musste. Zusätzlich belastete die sommerliche Hitze das Europageschäft.

Lindt musste deshalb seine Umsatzprognose für 2026 zweimal senken. Statt der ursprünglich erwarteten 6 bis 8 Prozent organischen Wachstums rechnet der Hersteller von Lindorkugeln und Schoggihasen nur noch mit 0 bis 2 Prozent.

Nun muss der operative Verantwortliche für diese Bilanz gehen. Lechner war 2022 zum Konzernchef ernannt worden. Der 65-Jährige arbeitete insgesamt 33 Jahre für Lindt & Sprüngli und leitete zuvor lange das wichtige Deutschlandgeschäft. Noch bei seiner Ernennung galt er als Garant für Kontinuität.

Auch Deutschland-Chef muss gehen

Auch Deutschland-Chef Michal Spiller wird ausgetauscht. Er wird durch den bisherigen Österreich-Chef Ali Kulein ersetzt. Dessen Posten übernimmt der bisherige globale Verkaufsleiter Fabian Reinhardt.

Lechners Nachfolger auf Zeit ist ein alter Bekannter. Der 71-jährige Weisskopf kam 1995 zu Lindt, zunächst als Finanzchef. Zuvor war er unter anderem für den Süsswarenkonzern Jacobs Suchard tätig. Von 2016 bis 2022 führte er Lindt als CEO, anschliessend wechselte er in den Verwaltungsrat, dessen Vizepräsident er ist. Ein dauerhafter Nachfolger auf dem CEO-Posten soll spätestens im zweiten Quartal 2027 ernannt werden.

An der bisherigen Strategie und den Jahreszielen hält Lindt fest. Weisskopf will mit gezielten Preissenkungen, mehr Werbung und neuen Produkten die Konsumenten zurückgewinnen. Besonders die Marken Lindor und Excellence sollen gestärkt werden. Auch eine neue Waffelproduktlinie ist 2027 geplant.

Kritik am Verwaltungsrat

Nach dem CEO-Rauswurf aufgrund der Absatzkrise wächst nun aber auch Kritik an der strategischen Führung von Lindt. Die Bank Vontobel begrüsste in einem Kommentar zwar den Chefwechsel, fand aber ausdrücklich, der Verwaltungsrat hätte früher eingreifen müssen. Wohl nicht zuletzt mit Blick auf den Verwaltungsratspräsidenten und Patron Ernst Tanner schrieb der zuständige Analyst, weitere Veränderungen im Gremium im kommenden Frühjahr wären willkommen.

Der 80-jährige Tanner prägt Lindt & Sprüngli seit Jahrzehnten. Er übernahm 1993 die Konzernleitung, wurde 1994 Verwaltungsratspräsident und wechselte 2016 ganz an die Spitze des Verwaltungsrats. Er prägte damit über Jahrzehnte die Strategie, die Führung und die Entwicklung des Unternehmens. Dem Vernehmen nach tut er das noch immer.

Aktie verliert massiv an Wert

An der Börse hinterliess die Krise deutliche Spuren. Der Partizipationsschein verlor seit Jahresbeginn rund 28 Prozent. Vom Höchststand im Juni 2025 bei 13'650 Franken bis zur zweiten Umsatzwarnung vor wenigen Wochen war der Kurs zeitweise um mehr als 40 Prozent eingebrochen.

Am Montag reagierten die Anleger erneut mit Verkäufen auf den Chefwechsel. Der Kurs des PS gab um über 1 Prozent nach. Die Namenaktie verlor dabei noch mehr. Am Mittag stand diese rund 1,6 Prozent im Minus.

Dabei ist die Lindt-Aktie weiterhin diejenige mit den höchsten Stückkursen an der Schweizer Börse. Sie kostet aktuell einen fünfstelligen Frankenbetrag und zählt damit auch zu den teuersten Aktien weltweit. Vor nicht allzu langer Zeit mussten gar mehr als 100'000 Franken pro Lindt-Aktie bezahlt werden.


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