News story
Unternehmensergebnis   03.11.2026 13:51:09

Kerosin treibt Ticketpreise bei Lufthansa - Fliegen wird zum Luxusgut

FRANKFURT (awp international) - Lufthansa -Chef Carsten Spohr ist sich mit seinem Ryanair -Kollegen Michael O'Leary in einem zentralen Punkt einig: "Die Ticketpreise werden im nächsten Jahr zweistellig steigen." Wichtigster Grund sind die weiterhin hohen Kerosinkosten als Folge des Irankriegs, die Lufthansa trotz Rekordumsatz im Sommer auf einen Sparkurs zwingen. Weil gleichzeitig neue Flugzeuge knapp sind, dünnt die Airline-Gruppe ihr Netz aus und konzentriert sich auf wohlhabende Kunden, die Premium-Sitze buchen. Fliegen wird so immer mehr zum Luxusgut.

Bereits im Sommer haben bei Lufthansa die Ticketpreise deutlich angezogen, ohne dass die Nachfrage besonders auf der Langstrecke in die Knie gegangen wäre. Die Kunden haben kurzfristiger gebucht und höhere Tarife akzeptiert: Bei der Direktfluggesellschaft Eurowings habe man die Mehrkosten vollständig weiterreichen können, berichtet Konzern-Finanzchef Till Streichert. Bei den übrigen Netz-Airlines der Gruppe seien es 85 Prozent gewesen.

Tankrechnung von 9,3 Milliarden Euro

Allein im Sommerquartal hat der Konzern über eine halbe Milliarde mehr für Kerosin ausgegeben als ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Lufthansa-Spitze jetzt mit einer Tankrechnung von 9,3 Milliarden Euro, rund 600 Millionen Euro mehr als noch im August gedacht.

Das dürfte auch 2027 so weitergehen, denn angesichts der Weltmarktlage wird es für die Airlines immer schwieriger, sich Kerosin vorab zu niedrigeren Preisen zu sichern. Für das laufende Jahr hat das Unternehmen seinen Treibstoffbedarf zu rund 86 Prozent preislich abgesichert. Für 2027 liegt diese Quote laut Finanzvorstand Streichert derzeit bei mehr als 60 Prozent. Immerhin sei die Versorgung über das Winterhalbjahr gesichert.

Mehr Business-Sitze geplant

Mit dem Flugzeugbauer Boeing sei man bereits in Gesprächen, die Business-Klasse im Dreamliner 787 bei neuen Maschinen grösser zu gestalten, berichtet Spohr. Vor allem über den Atlantik seien diese teuren Sitze oft ausgebucht und auch die Premium-Economy sei gefragt. Immer noch wartet die Lufthansa auf die Auslieferung grösserer Flugzeuge wie die modernisierte Boeing 777-9, deren Erstauslieferung der US-Hersteller nun für das zweite Quartal 2027 versprochen hat - sie kommt rund sieben Jahre später als ursprünglich geplant.

Mit dem hohen Kerosinpreis rechnen sich vor allem kürzere Verbindungen in Europa nur noch dann, wenn sie möglichst viele Umsteiger zu den Interkontinentalflügen bringen. Nach Spohrs Worten hat der Konzern bereits bei gut der Hälfte der über 200 Destinationen in Europa die Verbindungen zu den verschiedenen Lufthansa-Drehkreuzen überprüft und teilweise gestrichen. So sei beispielsweise Danzig noch über Frankfurt und Zürich ans Fernnetz angebunden, aber nicht mehr über München. 23 Flugzeuge habe man so im laufenden Jahr eingespart.

Gewinnprognose abgesenkt

Mit den teuren Tickets sowie guten Geschäfte mit Wartung und Fracht hat der Konzern die Kerosinpreise vergleichsweise gut weggesteckt. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) lag im reisestarken Sommerquartal von Juli bis September mit gut 1,4 Milliarden Euro immerhin sechs Prozent höher als ein Jahr zuvor. Notwendig war dazu ein Rekordumsatz von 12,2 Milliarden Euro, der höchste Erlös, den die Lufthansa je in einem Quartal erzielt hat. Der deutlich profitablere irische Billigflieger Ryanair meldete für diesen Zeitraum hingegen einen Gewinnrückgang.

Die Lufthansa-Führung nahm ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr derweil leicht zurück. So soll der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) statt 1,7 bis 2,2 Milliarden nur noch 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro erreichen. Bereits im August hatte Spohr erstmals das Gewinnziel gekappt. Nun scheint ein Rückgang im Vergleich zu den knapp 2 Milliarden Euro von 2025 ausgemacht.

Bei Anlegern an der Börse dominierten indes die positiven Aspekte: Die Lufthansa-Aktie legte bis zur Mittagszeit gegen den Trend um fast vier Prozent auf rund 7,75 Euro zu und war damit Spitzenreiter im MDax , dem Index der mittelgrossen Werte.


Zum gleichen Thema

Betroffene Instrumente