EasyJet: Rund hundert Flüge wegen Streiks in Frankreich gestrichen
Paris (awp/sda/afp) - Rund hundert EasyJet-Flüge ab Frankreich fallen wegen eines Streiks des Kabinenpersonals aus, der am Samstag und Sonntag auf breite Beteiligung stösst. Die Beschäftigten kritisieren, dass ihre Dienstpläne ständig geändert würden - teilweise erst am Vortag.
"Wir haben vorsorglich rund hundert Flüge ab Frankreich am Samstag und Sonntag gestrichen, damit sich die Passagiere vor ihrer Abreise darauf einstellen können. Unter anderem bieten wir ihnen eine kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flug an", teilte die britische Billigfluggesellschaft am Freitag der Nachrichtenagentur AFP mit.
Mehr als die Hälfte der rund 900 Mitglieder des Kabinenpersonals von EasyJet in Frankreich hätten sich als Streikende gemeldet, sagte William Bourdon von der Gewerkschaft SNPNC-FO am Freitag der AFP. Die Hälfte der für Samstag geplanten Flüge ab Frankreich werde gestrichen.
"Unsere wichtigste Forderung ist die Stabilität der Dienstpläne. An Standorten wie Lyon gibt es beispielsweise Kabinenmitarbeiter, deren Dienstplan 50 oder sogar 60 Mal pro Woche geändert wird", sagte Bourdon.
"Irgendwann wird das zur Hölle",
"Für das Privatleben oder die Kinderbetreuung ist es extrem schwierig, sich zu organisieren, weil die meisten dieser Änderungen in letzter Minute erfolgen, also 24 bis 48 Stunden vor" dem Abflug, sagte er weiter.
Die Gewerkschaften von EasyJet France hatten am Mittwoch nach dem Scheitern von Gesprächen mit der Unternehmensleitung über bessere Arbeitsbedingungen zu einem Streik am 14. und 15. August aufgerufen.
Die drei Gewerkschaften hatten zuvor eine Streikankündigung für den Zeitraum vom 7. August bis 2. September eingereicht und eine "kontinuierliche Verschlechterung" der Arbeitsbedingungen kritisiert.
"EasyJet funktioniert als Netzwerk (...) und wir spielen ständig Reise nach Jerusalem", erklärt Bourdon.
Fehlt an einem Standort Personal, schickt die Fluggesellschaft Beschäftigte von einem anderen dorthin und muss anschliessend wiederum weiteres Personal verschieben, um die entstandene Lücke auszugleichen. So entstehe ein System ständiger Umverteilungen.
Bourdon nennt das Beispiel einer Flugbegleiterin, die einen Umlauf Lyon-Bordeaux eingeplant hat und am Vortag erfahren kann, dass sie stattdessen für vier Tage von Porto aus eingesetzt wird. Kurz darauf könne ihr Dienstplan in letzter Minute erneut geändert werden, sodass sie Flüge zwischen Lyon, Nantes und Marrakesch absolviert.
"Irgendwann wird das zur Hölle", beklagt er.
Prämien, um den Streik zu brechen?
In einer am Mittwoch an die AFP übermittelten Stellungnahme hatte EasyJet die Gewerkschaften aufgefordert, "auf diese opportunistische Aktion zu einer so wichtigen Zeit des Jahres" wie dem stark frequentierten Wochenende um den 15. August zu verzichten.
Die Fluggesellschaft erklärte, sie habe "Anpassungsvorschläge" vorgelegt, um auf die Forderungen der Gewerkschaften einzugehen. Zugleich verwies sie auf für September geplante Verhandlungen.
Der vorherige Streikaufruf bei EasyJet France am Ostermontag im April hatte nur sehr geringe Auswirkungen auf den Flugverkehr.
Die Gewerkschaft UNAC, die zu diesem Streik aufgerufen hatte, warf der Unternehmensleitung vor, wie bereits in der Vergangenheit auf die "Waffe" von "Sonderprämien" in Höhe von 600 bis 700 Euro für Beschäftigte zurückzugreifen, die sich bereit erklärten, an diesem Tag zu arbeiten.
Auf Anfrage der AFP wollte sich EasyJet "zu diesem Thema" nicht äussern.
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